IPv4 und IPv6 sind die Grundlage moderner Netzwerke. Doch oft bleibt es bei einer oberflächlichen Erklärung.
Wie sind die Adressen wirklich aufgebaut? Wie groß sind die Adressräume? Und was bedeutet das konkret im Alltag?
In diesem Artikel schauen wir uns IPv4 und IPv6 etwas genauer an – verständlich, aber mit Substanz.
Aufbau einer IPv4-Adresse
Eine IPv4-Adresse besteht aus 32 Bit und wird in vier Oktetten dargestellt:
192.168.1.1
Jedes Oktett entspricht 8 Bit und kann Werte von 0 bis 255 annehmen.
Damit ergeben sich insgesamt:
2^32 = 4.294.967.296 mögliche Adressen
Ein Teil davon ist jedoch reserviert (z. B. private Netze, Multicast, Loopback).
Private IPv4-Netze
- 10.0.0.0/8
- 172.16.0.0/12
- 192.168.0.0/16
Diese Adressen werden im Heimnetz genutzt und sind im Internet nicht direkt erreichbar.
Aufbau einer IPv6-Adresse
IPv6-Adressen bestehen aus 128 Bit und werden in acht Blöcken dargestellt:
2001:db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334
Jeder Block besteht aus 16 Bit und wird hexadezimal dargestellt.
Die Anzahl möglicher Adressen ist enorm:
2^128 ≈ 3,4 × 10^38
Das reicht aus, um jedem Gerät weltweit mehrere eindeutige Adressen zu geben.
Verkürzte Schreibweise
IPv6 erlaubt Abkürzungen:
- führende Nullen können weggelassen werden
- zusammenhängende Nullblöcke können mit :: ersetzt werden
2001:db8::1
Struktur einer IPv6-Adresse
IPv6-Adressen bestehen typischerweise aus zwei Teilen:
- Netzwerkpräfix (z. B. /64)
- Interface Identifier (Host-Anteil)
Ein typisches Heimnetz sieht so aus:
2001:db8:abcd:0012::/64
Der Host-Anteil wird oft automatisch generiert.
Adressvergabe (DHCP und Autokonfiguration)
IPv4
IPv4 nutzt in der Regel DHCP, um Adressen zu vergeben.
- IP-Adresse
- Gateway
- DNS-Server
IPv6
IPv6 bietet mehrere Möglichkeiten:
- SLAAC (stateless autoconfiguration)
- DHCPv6
- Kombination aus beidem
Geräte können sich also selbst eine Adresse generieren.
DNS – Unterschiede bei IPv4 und IPv6
Für IPv4 werden sogenannte A-Records verwendet:
example.com → 192.168.1.1
Für IPv6 gibt es AAAA-Records:
example.com → 2001:db8::1
Viele Systeme unterstützen heute beide Varianten parallel.
NAT und direkte Erreichbarkeit
IPv4 verwendet häufig NAT, da öffentliche Adressen knapp sind.
Das bedeutet: Mehrere Geräte teilen sich eine öffentliche IP-Adresse.
IPv6 benötigt kein NAT, da ausreichend Adressen vorhanden sind.
Dadurch sind Geräte theoretisch direkt erreichbar.
Präfixe und dynamische Anteile
Internetprovider vergeben häufig dynamische IPv6-Präfixe.
Typisch ist ein /56 oder /64 Netz.
Das bedeutet:
- Netzwerkanteil bleibt gleich
- Host-Anteil wird automatisch vergeben
In Heimnetzen kann sich das Präfix bei jeder Einwahl ändern.
QoS und Traffic-Klassen
IPv6 bringt von Haus aus Möglichkeiten zur Priorisierung von Datenverkehr mit.
Dazu gehören:
- Traffic Class
- Flow Label
In der Praxis wird QoS jedoch meist unabhängig davon auf Netzwerkebene umgesetzt.
Größe der Adressen und Performance
IPv6-Adressen sind deutlich länger als IPv4-Adressen.
Das führt zu leicht größeren Headern.
In der Praxis spielt das jedoch kaum eine Rolle, da moderne Netzwerke darauf ausgelegt sind.
Stabile und sichere Infrastruktur ist kein Zufall. Mit Catarix IT helfe ich dabei, solche Setups sauber umzusetzen.
Fazit
IPv4 ist einfach und weit verbreitet, aber begrenzt.
IPv6 bietet einen riesigen Adressraum und neue Möglichkeiten, ist aber komplexer.
Beide Protokolle werden noch lange parallel existieren.
Wer Netzwerke verstehen will, sollte sich mit beiden beschäftigen – und vor allem die Unterschiede kennen.
